Schauwerkstatt Jacquard-Weberei

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Die traditionsreiche Textilindustrie Westsachsens kommt nach der politischen Wende 1990 zum Erliegen. Ausstellungen in einer ehemilgen mechanischen Jacquardweberei zeugen von den Leistungen der Weber, Musterzeichner und Fabrikanten aus Hohenstein-Ernstthal und Umgebung, deren textile Produkte einst in alle Welt exportiert worden sind.

Herzstück des Museums ist die historische Schauwerkstatt Jacquardweberei. Die funktionstüchtigen Maschinen geben einen Eindruck über die technische Entwicklung sowie die Arbeitsbedingungen und Lebensweise der Textilarbeiter ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Anahnd zahlreicher Arbeitsgängen vom Entwurf bis zum fertigen Gewebe wird die Herstellung von Wandteppichen, Möbelbezugsstoffen, sowie Diwan-, Bett- und Tischdecken vorgeführt und erläutert. Der Lärm der Webstühle und der Geruch der ölgetränkten Dielung lassen die Arbeitswelt der ehemaligen Textilarbeiter wieder lebendig werden.


Bedeutung der Jacquardtechnologie

Die Patentierung des Jacquardwebstuhles durch den Franzosen Joseph-Marie Jacquard revolutioniert ab 1805 die Mustermöglichkeiten textiler Stoffe. Die Lochkarte mit gelochten Kartenstreifen - für jeden Schusseintrag ein Kartenblatt- wird durch Nadeln abgetastet. Ein Loch bedeutete Fadenhebung, kein Loch Fadensenkung. Die Musterungen werden nun vielfältiger und raffinierter, die Gewebe schneller und preiswerter produziert. Die Einführung der Jacquardvorrichtung am Handwebstuhl in der Hohensteiner Region erfolgt zum Ende der 1830er Jahre.

Vergleichsweise spät, erst in den 1870er Jahren, kommt es zur Einführung des mechanischen Webstuhles in Hohenstein. Um 1900 werden noch zwei Drittel der Textilwaren in der Hausindustrie gewebt. Grund dafür ist die hier spezialisierte Fertigung gemusterter Ware wie Bett- und Tischdecken, die auf den mechanischen Webstühlen der Anfangsjahre noch nicht gewebt werden konnten.

Die "Hohensteiner Deckenweber"

In der hiesigen Textilregion werden die "Hohensteiner Deckenweber" zu einem Begriff für Spezialität und Qualität. „Stöße von weißen Waffelbettdecken, dem Hauptprodukt der Handweberei, häufen sich zu wahren Bergen, und nicht mindergroß sind die Posten der bunten, sogenannten altdeutschen Bettdecken, die in nur denkbar möglichen Farbtönungen zur Ablieferung gelangen.“ heißt es in einem Bericht um 1900.

Das Sortiment der Decken ist sehr vielfältig und unterscheidet sich in der Gewebeart in Pikee-, Waffel- und Ripsdecken und in der Benutzung in Bett-, Diwan- und Tischdecken aller Arten. Zum Warenangebot gehören auch schwere Gobelin- und Plüschdecken, großgemusterte wollene und kunstseidene Tischdecken sowie Kaffeedecken und Tischdecken für Gastwirtschaften. Die um 1900 zahlreich aufkommenden Gartenlokale sind oft mit Hohensteiner Gartentischdecken ausgestattet.


Impressionen aus der Schauwerkstatt Jacquardweberei


Wie funktioniert die Jacquardwebtechnik

Einen kurzen Einblick in die Jacquardtechnologie liefert Ihnen das folgende Museumsvideo - ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Textil - und Rennsportmuseum Hohenstein-Ernstthal e.V., der Hochschule Mittweida und FBAS ENTERTAINMENT

  • Sprecher: Christopher Gaube
  • Schnitt: Rebecca Grautstück

Textil und Rennsportmuseum

Antonstraße 6
09337 Hohenstein-Ernstthal

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